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Ketogene Diät

Mein (langer) Weg zur Ketogenen Diät

In diesem Bericht erzählt uns Susanne wie sie im Erwachsenenalter zur Ketogenen Diät fand.

 

29.06.2023
4 min

Susannes Steckbrief

Name: Susanne

Land: Deutschland

Diagnose: Epilepsie

Ketogene Diät seit: 2016

Lieblingsessen: Keto-Eis

Wie alles begann

Ich bin erst im fortgeschrittenen Alter von 48 Jahren an Epilepsie erkrank. Zunächst bin ich mit der Verdachtsdiagnose Schlaganfall ins Krankenhaus gekommen, weil ich immer wieder Momente hatte, in den ich nicht mehr ansprechbar war und „weggeträumt“ bin. Danach war ich verwirrt und total erschöpft. Im Verlauf dieses Krankenhausaufenthaltes hatte ich meinen ersten Grand Mal Anfall, weshalb die Diagnose schließlich schnell klar war. Ich wurde auf ein Medikament eingestellt und am nächsten Tag entlassen.

Die Zeit, die dann kam, war alles andere als schön. Ich litt unter Nebenwirkungen. Ich habe zwanzig Stunden pro Tag geschlafen und die restlichen vier Stunden habe ich geweint. Essen konnte ich aufgrund von Übelkeit auch nicht, was einen massiven Gewichtsverlust zur Folge hatte. Geholfen hat das Medikament auch nicht. Nach sechs Wochen wurde ich auf das nächste Präparat eingestellt, wieder ohne Erfolg. Wieder mit reichlich Nebenwirkungen. Dieses Ausprobieren ging circa zwei Jahre weiter, ein Medikament folgte dem Nächsten. Aus meinen Krämpfen wurden Serien. Und auch die Häufigkeit nahm rapide zu, weshalb ich irgendwann auch zwei Medikamente gleichzeitig eingestellt wurde. Auch ohne Erfolg.

Zu meiner dunkelsten Zeit habe ich vier Präparate gleichzeitig genommen, was genauso wenig half, aber mit so vielen Nebenwirkungen verbunden war, dass an ein normales Leben nicht mehr zu denken war. Neben körperlichen Schmerzen hatte ich überhaupt keinen Antrieb mehr. Ich habe das Abitur meiner Tochter und den Schulabschluss von meinem Sohn überhaupt nicht mitbekommen. Das sind Erinnerungen, die mir völlig fehlen. Ich bin immer weiter abgemagert, bis ich zum Schluss bei einer Größe von 1,75m nur noch 47 Kg gewogen habe.

 

„Halte durch, auch wenn der Weg am Anfang etwas holperig ist, es lohnt sich.“

Susannes Tipp

Wie ich auf die Ketogene Diät aufmerksam wurde

Ich brach mir schließlich während einer meiner Krampfanfälle die Schulter. Zur Nachbehandlung bin ich zu einem Orthopäden gegangen, der sich außerdem sehr gut mit Ernährung auskannte. Er hat mir empfohlen, mich über kohlenhydratfreie Ernährung zu informieren.

Das habe ich beherzigt und habe alles gelesen, was ich zu diesem Thema gefunden habe. Als ich bei Google Epilepsie und Kohlenhydrate als Suchbegriffe eingab, wurde mir sofort die Ketogene Diät vorgeschlagen. Die Berichte erschienen vielversprechend, weshalb ich meinen behandelnden Arzt darauf angesprochen habe. Leider äußerte er sich nicht begeistert, weshalb ich den Entschluss fasste, es einfach selbstständig zu probieren.Ich habe mich schlaugemacht wie ich meine Makros ausrechnen kann, habe mir Urin Messstäbchen besorgt und dann ging es los. Und endlich: Ich war vom ersten Tag an vier Monate anfallsfrei.

Leider kamen mit der Zeit andere Probleme auf mich zu. Ich hatte häufig Blutzuckerabstürze, Schweißausbrüche und astronomische Blutfette. Ich wusste das der Weg der richtige ist, aber irgendetwas schien ich in der Umsetzung falsch zu machen. Ich brauchte also Hilfe, was sich als erwachsener Mensch in Deutschland leider als nicht so einfach herausstellte.

In der ersten Klinik habe ich mich zur Einstellung auf die Ketogene Diät stationär aufnehmen lassen. Leider hatte das Personal dort keine Ahnung, sodass ich nach zwei Tagen entlassen wurde.

Aus dieser Erfahrung habe ich gelernt und bin zur zweiten Klinik erst einmal für ein Gespräch hingefahren. Da sich alles gut anhörte, wurde ich einige Wochen später zur Einstellung auf die Ketogene Diät aufgenommen. Dieser Aufenthalt gestaltete sich allerdings als noch unschöner als in der ersten Klinik. Eigentlich sollte ich nach drei Tagen eingestellt wieder entlassen werden. Am zweiten Tag war ich allerdings nicht mehr in der Ketose und die Krämpfe gingen wieder los. Diesmal in einer Heftigkeit, die ich bis dahin noch nicht kannte. Nach drei Wochen habe ich mich auf eigene Verantwortung nach Hause entlassen lassen. Dort habe ich alles wieder wie zuvor gemacht und war auch bald wieder stabil in der Ketose, leider aber auch wieder mit den gleichen Problemen wie zuvor. Nachdem ich mich erholt hatte, habe ich noch einen dritten Versuch unternommen. Diesmal bin ich bis ins tiefste Bayern nach Vogtareuth gereist.

800 km die, sich wirklich gelohnt haben. Ich wurde dort freundlich empfangen und die Schulung die, ich durchlaufen habe hat mir sehr gut geholfen. Ich habe viele diätetische Hilfsmittel, auch die Produkte von Kanso, kennengelernt und sehr viel Wissenswertes über die Ketogene Diät sowie die Fettauswahl erfahren. Wir haben gemeinsam gekocht und als ich entlassen wurde bekam ich alle Papiere mit die ich brauchte, um die ketogene Therapie von meiner Krankenkasse genehmigen zu lassen. Und es wurde direkt während des stationären Aufenthaltes ein Medikament abgesetzt. Ein Plan für weitere Reduzierung bekam ich mit.

Wie es mir nach der Einstellung auf die ketogene Diät geht und wie ich Ketobotschafterin wurde

Im Gegensatz zu Kindern, die auch nach der Einstellung in dem jeweiligen Stoffwechselzentrum zur Betreuung bleiben, ist man als Erwachsener nach der Schulung auf sich alleine gestellt. Zwar stehen Hausarzt und Neurologen für Fragen zur Verfügung, eine wirkliche Hilfe ist das aber leider auch nicht, da diese sich häufig nur schlecht oder gar nicht mit der Ketogenen Diät auskennen.

Aus diesem Grund entschließ ich mich dazu, trotz meiner Erkrankung und meines hohen Alters noch einmal zu studieren. Heute bin ich Ernährungsberaterin. Eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereue, obwohl. Durch mein erworbenes Fachwissen lief alles in geordneten Bahnen, ich hatte keine Probleme mehr in der Umsetzung der Ketogenen Diät und es ging mir körperlich sowie psychisch immer besser.

Mit der Ernährungsfachkraft aus Vogtareuth habe ich die ganze Zeit über einen freundschaftlichen Kontakt gehalten. Irgendwann bekam ich von ihr die Anfrage, ob ich nicht Lust hätte, für Kanso Ketobotschafterin zu werden. Nach meiner eigenen Geschichte mit den vielen negativen Erfahrungen und Fehler, die ich gemacht hatte, habe ich mich darauf gefreut, anderen Menschen zu helfen. Gerade zu Beginn meiner Keto Zeit hätte ich alles dafür gegeben, wenn es schon so eine Seite wie die von Kanso gegeben hätte. Und deshalb bin ich bis heute noch dabei. 

Heute bin ich wieder ein positiver und lebenslustiger Mensch, dank der Diät. Dabei gilt mein Dank auch Kanso. Als ich mit der Ketogenen Diät begonnen habe, gab es noch nicht viele hilfreiche Produkte. Heute ist das ganz anders, bei der Auswahl an Artikeln, die Kanso anbietet, ist die Gestaltung meiner Diät deutlich leichter geworden. Natürlich habe ich Einschränkungen und ich muss auch eine gewisse Disziplin aufbringen, aber das tue ich gerne für die Lebensqualität, die ich heute wieder habe.

Ich hoffe ich konnte Dir Mut zu sprechen und Dir Lust auf das Abenteuer Ketose machen.

 

Bis bald deine

Susanne

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